Ich bin einfach nur müde. Zwar - ich glaube nicht, dass müde das richtige Wort ist. Es ist eher eine tiefe Erschöpfung. Der Körper ist schlapp. Und mein Verstand fühlt sich irgendwie ganz matschig an. Das Denken fällt schwer. Entscheidungen zu treffen, erscheint gerade wie eine unlösbare Aufgabe. Nähe zu meinem Mann oder meinen Kindern kostet mich gerade grosse Überwindung. Gerne würde ich etwas fühlen. Irgendeine Empfindung in meinem Körper wahrnehmen, die wieder Bewegung in den Körper bringt. Weinen, Schreien, Stampfen. Irgendetwas, das mich aus diesem Wattegefühl rausholt. Aber es ist gerade nichts zum Fühlen da. Da ist einfach nur Leere. Und gleichzeitig eine bleierne Müdigkeit, die mir jede Bewegung und jeden Gedanken erschwert. So fühle ich mich nach einem Tag, an dem ich einfach von einem Task zum nächsten gerannt bin. Hier was erledigen, da etwas tun. Und am Schluss des Tages dennoch das Gefühl zu haben, dass ich eigentlich gar nichts geschafft habe. Wenn ich mich doch nur irgendwie traurig oder frustriert fühlen würde. Aber im Moment fühle ich einfach nichts. Ich wünschte mir, mich einfach ins Bett legen zu können, diesen Tag passee zu lassen und morgen voller Frische in einen neuen Tag voller Freude, Leichtigkeit und Licht zu starten. Ausgeschlafen aus dem Bett zu hüpfen und motiviert den Alltag als Mama zu erleben. Aber auch nach einer Nacht mit ausreichend Schlaf kann ich diese Müdigkeit, diese Erschöpfung nicht ablegen. Sie verschwindet nicht mehr. Und das macht mir Sorgen. Ich habe das Gefühl, in einem dunklen, endlosen Tunnel zu stecken, ohne Aussicht auf einen Ausweg. Rein kognitiv weiss ich natürlich, dass nach jeder Dunkelheit immer wieder das Licht kommt. Aber in Momenten wie heute kann ich das einfach fast nicht glauben. Ich frage mich oft, wann es leichter wird. Ich frage mich oft, warum Gott zulässt, dass eine Mutter sich so fühlen muss. Ich habe keine Antwort in diesem Momenten. Nur die Hoffnung, dass der nächste Tag eine neue Leichtigkeit bringt, lässt mich immer weitermachen. Obwohl ich eigentlich nicht mehr kann.
Mein Mann ist mir an den meisten Abenden eine ganz wertvolle Unterstützung. Er übernimmt fix einige Aufgaben im Haushalt, was mir immerhin Kapazität bringt, um gedanklich einiges loszulassen. Wir haben uns letztens darüber unterhalten, dass die Aufgabe eines Elternteils, aus meiner Sicht speziell der Mama, eigentlich nicht für eine einzige Person gemacht ist. Beziehungsweise, dass es schlicht unmöglich ist, alle diese Aufgabe, die von einem erwartet werden, zu stemmen ohne sich dabei nicht zu übernehmen. Mein Mann hat seinen fixen Papa-Tag. Der Montag gehört ganz ihm. Damit erfährt er am eigenen Leib, was es ansatzweise heisst, die Care-Arbeit für einen 5-Personenhaushalt und die emotionale Begleitung der Kinder zu übernehmen. An Tagen wie heute kann ich mir nur ein müdes Lächeln abringen, wenn er mir erzählt, wie anstrengend er alles findet und wie viel Energie der Tag ihn kostet. 1 Tag Papa-Tag. 6 Tage Mama-Tag. Manchmal frage ich mich ernsthaft, warum ich das mit mir machen lasse. Manchmal frage ich mich, warum ich mich nicht dagegen wehre und eine 50:50 Lösung erzwinge. Machmal komme ich mir wie das kleine, unbedeutende Hausmütterchen vor, das nichts zu sagen hat und still einfach ihre Arbeit erledigen soll. Und das in einer Zeit, in der anscheinend Gleichberechtigung herrschst. Gleiches Recht. Aber nicht gleiche Pflichten.
Normalerweise würden solche Gedankengänge meine Wut oder zumindest eine Frustration in mir wecken. Aber heute schafft es nicht mal eines dieser Gefühle durch den Nebel, der mein System lahmlegt. Die Wut, die bei mir ansonsten sehr explosiv und feurig ist, regt gerade nichts in mir an. Die Wut, auf die ich mich eigentlich immer verlassen kann, dass ich mich wieder lebendig fühle, lässt mich heute komplett im Stich. Und ich erkenne, dass mein System manchmal Wut künstlich produziert, damit ich mich lebendig fühle. Damit sich mein Körper, mein System regt. Damit ich wieder in Wallung komme. Und Wut ist normalerweise ein Gefühl, dass sehr stark ist. Gerade im Zusammenhang mit meinen Kindern. Elternwut. Oder noch besser Mamawut. Ist mir sehr gut bekannt. Und eigentlich auch ein Gefühl, das mir Sicherheit vermittelt. Heute wünschte ich mir nur einen Funken dieser feurigen Emotion herbei. Aber mein Geist und mein Körper sind müde. Und ich werde mich jetzt dieser Leere, dieser Stille, diesem tiefen undurchdringbaren Nebel hingeben.
Gedanken einer 3-fach Mama. Die übrigens okay sind.
Wenn du auch so fühlst, dann bist du nicht alleine!

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